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It's all Rheydt.

Tiefe Gedanken hinter glatter Fassade: Neues Bauen in Rheydt — September 11, 2019

Tiefe Gedanken hinter glatter Fassade: Neues Bauen in Rheydt

Rheydt, ich vermisse Dich! Etwa seit einem halben Jahr wohne ich in einer anderen Stadt, die zu weit entfernt liegt, um öfters in Rheydt zu sein, aber in Gedanken bin ich noch sehr oft in der alten Heimat.

Die nette, persönliche Einladung von Frau Cancian zum Tag des offenen Denkmals 2019 war mir ein sehr willkommener Anlass, für ein verlängertes Wochenende nach Rheydt zu fahren. Schließlich hatte ich auch schon in den Jahren zuvor (2016, 2017 und 2018) über den TdoD geschrieben und so war es nur folgerichtig, die Serie fortzusetzen.

Auch in diesem Jahr hat die Untere Denkmalbehörde wieder ein tolles Programm auf die Beine gestellt und eine sehr informative Broschüre geschrieben. Ich wusste gar nicht, dass „das mittlerweile vierte Heft führend in ganz NRW in der Aufarbeitung des Denkmaltages“ ist, wie der Stadtdirektor und Technische Beigeordnete Dr. Bonin seine Kolleginnen und Kollegen lobte. Ich würde mir wünschen, dass eines Tages ein Buch mit allen Texten und Fotos der Denkmaltage erscheint. Bis dahin bewahre ich die kleine Hefte wie besondere Schätze.

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In der vollen Aula des Hugo-Junkers-Gymnasiums gab Bonin eine kurze Einführung in die Relevanz des Bauhaus in der heutigen Zeit. Die multidisziplinäre Bewegung entstand 1918/1919, u. a. unter Walter Gropius und dem auch in Mönchengladbach tätigen Otto Bartning. Sie führte in Weimar zur Gründung des Bauhaus, das in Dessau anschließend unter Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe seine Blütezeit erlebte. 1933 fand das teilweise marxistisch geprägte Bauhaus mit dem Nationalsozialismus sein Ende.

„Bauhaus“ ist Vielen mit seinen prägenden Stilelementen in Architektur und Gebrauchsgegenständen eher als Schlagwort bekannt: reduzierte Formen und sachliche Funktionalität bis fast zum Minimalismus („Weniger ist mehr“, Ludwig Mies van der Rohe). In Abgrenzung vom vorangegangenen Jugendstil galt nun „form follows function“ (Dankmar Adler prägte diesen Spruch bereits 1896).

Neben aller Betonung der Funktionalität blieb die Gestaltung jedoch ein wichtiges Anliegen. Die avantgardistische Modernität der streng geometrischen Formen aus den 1920er Jahren findet heute noch Gefallen. Das Bauhaus hatte auch politische und soziale Anliegen, war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg doch von großer Wohnungsnot und hoher sozialer Ungleichheit geprägt und es galt, neuen Wohnraum mit höheren Standards zu schaffen.

Hier findet Bonin den Ansatzpunkt für die Übertragung auf sein Großprojekt „mg+ Wachsende Stadt“: Städtebau müsse heute „das Leben neu denken“ und die Zukunft gestalten. Die Herausforderung liege darin, dass beim Umgestaltungsprozess niemand verloren ginge. Dabei scheue der Mensch doch nichts so sehr wie Veränderung. Smart Cities werden längst mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit gestaltet. So gelte auch bei den verschiedenen neuen Quartieren in der Wachsenden Stadt (denen man durchaus Straßennamen von Vertretern des Bauhaus geben könne) der Anspruch an „gesundes Bauen“. Es mutet merkwürdig an, dass Bonin die Umsiedlungen als Folge des Braunkohletagebaus Garzweiler II erwähnt. Hat er sich die neuen Orte vor den Toren Mönchengladbachs einmal angesehen? Ökologisches Bauen sieht anders aus! Und auch in puncto verkehrspolitische Umorientierung hat der Niederrhein noch viel vor sich.

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Aber heute geht es ja vor allem um den Denkmalschutz. Dr. Schumacher, Leiter der Unteren Denkmalbehörde, übernimmt und gibt einige Beispiele dafür, „was das Bauhaus, das eher im Osten beheimatet war, auch für uns im Westen bedeutet“. Er nennt etliche Beispiele von Kirchen, Klostern, Krankenhäusern und sonstigen Bauten in und um Mönchengladbach, die dem Neuen Bauen zugerechnet werden können (aus Platzgründen verweise ich für weitere Informationen auf das Begleitheft). Bauhaus in Reinform, mit seinen verputzten, weißen Fassaden und Flachdächern, ist am Niederrhein nur selten zu finden, jedoch gibt es etliche Gebäude mit den hier üblichen Backsteinfassaden und Satteldächern, die sich an das Bauhaus anlehnen.

Die Architekten und Bauherren verständigten sich auf „zeitgemäßes Wohnen für eine moderne Gesellschaft“, um Walter Gropius zu zitieren. Dabei sollten „Licht, Luft und Sonne“ von außen in den Wohn-, Fabrik- oder Sakralraum dringen. Großzügig geschnittene Wohnungen hatten Bäder und Toiletten, Balkons, Loggias oder Terrassen und mitunter auch Garagen – je nach Zielgruppe.

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Wir laufen zum Schülerinnenwohnheim der Maria-Lenssen-Berufsschule in der Mühlenstraße 33, noch um 1933 eher überraschenderweise in der Geburtsstadt Goebbels’ als Paradebeispiel für modernes Bauen entstanden, und stärken uns mit leckeren Waffeln, bevor wir uns auf den Rundgang durch Rheydt mit Frau ten Busch begeben. Auch die RP ist dabei.

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Der Rundgang bewegt sich in der Nähe der ehemaligen Stadtgrenze von Rheydt und Mönchengladbach. Die zuvor eigenständigen Städte waren zunächst von 1929 bis 1933 zusammengelegt und man wollte an der ehemaligen Grenze ein neues Stadtzentrum durch Auffüllen bestehender Baulücken schaffen.

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In der Oskar-Graemer-Straße 6 steht ein Bauhaus-Haus, das Moses Stern für seinen Sohn erbauen ließ. Da 1990 die Unterschutzstellung als Denkmal abgelehnt wurde, wurde es zwischenzeitlich erheblich umgebaut. Frau ten Busch betont, dass der Denkmalschutz nichts oktroyieren wolle: „Besser geht es, wenn der, der darin wohnt, von seinem Schätzchen Kenntnis hat.“ Das 1980 in NRW verabschiedete Denkmalschutzgesetz führte vielerorts zum Umdenken und eine stärkere Wertschätzung entstand für Gebäude, deren Artverwandte man in den Nachkriegsjahren oft abgerissen hatte.

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Als nächstes bewundern wir das Mehrfamilienhaus an der Ecke Blumenstraße/Lermenchesweg mit auffälliger Ziegelsteinverblendung und teilweise ausgebautem Dachgeschoss.

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Auch an der Ecke Cecilienstraße/Lermenchesweg sind die vertikale Akzentuierung und Anpassung an die Nachbarhäuser zu erkennen.

An den Einmündungen der Blumenstraße bzw. der Freiheitsstraße in die Brucknerallee fallen beide Male die Sprünge in der Fassade und die besonderen Balkone zur Straße hin auf.

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Unser Rundgang endet am nach dem damaligen Stadtbaumeister benannten und 1928 erbauten Fischerturm mit Uhren und Lichtkuppel, der eine stilistische Nähe zum Expressionismus aufweist.

Wir schauen uns nun noch ausgiebig das Schülerinnenwohnheim an, dessen ursprüngliche Farbgebung im Inneren rekonstruiert wurde. Von der riesigen Dachterrasse hat man einen schönen Blick auf den Park. Welch ein Wohnkomfort für die Schülerinnen (und heute auch Schüler)!

Neues Bauen ist weitaus mehr als glatte, weiße Fassade, weil die Bewegung allen Menschen ein qualitätsvolles Leben hinter den Fassaden ermöglichen wollte. Die vor 100 Jahren avantgardistische Architektur kann auch den heutigen Städtebau noch inspirieren. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir als Wohnung nun sehr gut eine aus der Bewegung des Neuen Bauens vorstellen kann.

Regenrunde Rheydt — February 11, 2019

Regenrunde Rheydt

Es geht auf einen Samstagsspaziergang in Rheydt. Es regnet immer mal wieder, aber das ergibt schöne Lichtsituationen und einen bewegten Himmel – beautiful soft light and color für die Fotos. Wir starten in der Friedhofstraße mit einem Blick auf das schöne Portal des evangelischen Friedhofs.

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An der Kreuzung von Brucknerallee und Mühlenstraße blickt man in Richtung Markt und Rathaus. In der Kneipe am Eck gibt es wohl keine Annie.

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Im Schaufenster einer ehemaligen Apotheke kann man Buntes bewundern und erfährt, dass Kunst eine Bereicherung ist.

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Von der Mühlenstraße aus betreten wir den Maria-Lenssen-Park, ein verstecktes Kleinod, das ich bereits in einem anderen Beitrag beschrieben habe.

Okay, mit “Kleinod” meinte ich nicht dieses verschraddelte Gebäude…

… sondern dieses schmucke Häuschen – wie schick wäre es für Ausstellungen!

Die Platanen sind groß und einfach großartig.

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Das “City Park Haus” an der Ecke zur Wilhelm-Strater-Straße hat eine interessante Form.

Vor dem Einrichtungshaus Tellmann ist es bereits vor einiger Zeit schick geworden.

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Es fällt mir schwer, zugeben zu müssen, dass ich diese Stadt aus beruflichen Gründen bald verlassen werde. Wenige Minuten vorher hatte ich den Brief mit dem Umzugsvertrag in einen Briefkasten geworfen, nun komme ich bei Frentzen vorbei – wenn ich das gewusst hätte, hätte ich den Brief auch einfach mitnehmen und dort einwerfen können… Ja, die Firma Frentzen wird demnächst das Vergnügen haben, meinen Plunder zu verfrachten. Die angedeutete Richtung kommt allerdings nicht hin.

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Die Bachstraße beginnt mit einer Brücke…

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… und ein paar Graffiti.

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Vor einer Brache wird der Bauzaun für etwas Werbung genutzt: was ist eigentlich eine Oh-Raku-Punktur?

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Weiter geht’s zur Dahlener Straße mit so manch hübschem Hauseingang.

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Das Stadtarchiv hatte mich gebeten, die beiden Goebbels-Häuser zu fotografieren – der eigentliche Anlass des Spaziergangs und eine schöne Entschuldigung, auch genau das zu tun. In der Dahlener Straße 156 (früher 140) lebte Joseph Goebbels in seiner Jugend und dort besuchte er später, umjubelt von vielen Menschen am Straßenrand, seine Mutter.

Bevor es zum anderen Goebbels-Haus geht, durchqueren wir den Schmölderpark.

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In der Wolfstraße steht ein Häuschen, das nicht unbedingt meinen Geschmack trifft.

Die Baumaßnahmen entlang der Eisenbahnstraße erfreuen sicherlich die Anwohner.

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Etwas versteckt im Veckelshecker Weg steht ein verfallendes Schmuckkästchen.

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Der Kiosk an der Wickrather Straße hat ebenfalls seine besten Tage hinter sich.

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Und noch eine Brücke – eigentlich hätte ich sie zählen müssen. Ein schöner Durchblick zur Berliner Straße.

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Kein Reinkommen, kein Rauskommen, kein Auskommen mehr hier, etwas abgesetzt von der Wickrather Straße.

Die Villa Froriep, Teil des Parkhotels, bestaunen wir in der Endepohlstraße.

Gegenüber liegt das Stadttheater.

Entlang der Odenkirchener Straße findet man so manches architektonisches Juwel.

Dann stehen wir vor der Odenkirchener Straße 202, dem Geburtshaus Joseph Goebbels’ – das lange Zeit nicht im Fokus der Öffentlichkeit war, bis Gregor Schneider es kaufte, entkernte und die Spuren seiner Vergangenheit beseitigte.

Aus der Entfernung sieht es freundlich und unscheinbar aus.

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Wir stehen nun auf dem Betriebsgelände der NEW und es regnet in Strömen. Wie praktisch, dass wir uns im kleinen Pavillon unterstellen können.

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Denn, man konnte es von Goebbels’ Geburtshaus aus bereits sehen, es wartet noch ein weiteres, besonderes Haus auf uns, das HAUS u r von Gregor Schneider. Ich wüsste gerne, was sich hinter der etwas verschmockten Fassade verbirgt und würde mich nur allzu gerne einmal zwischen den umbauten Räumen verirren.

Aber hier noch länger zu stehen und darauf zu warten, dass sich ein Vorhang bewegt, ist angesichts des Regens keine gute Idee und so begeben wir uns zurück in Richtung Innenstadt, die vom Stadtsparkassen-Portal markiert wird.

Der Spaziergang begann und endete mit einem Portal und schön war er.

Rheydt, ich werde Dich vermissen.

Geschichten über Geschichte in Schichten: Denkmaltag am Abteiberg Mönchengladbach — September 13, 2018

Geschichten über Geschichte in Schichten: Denkmaltag am Abteiberg Mönchengladbach

Der Tag des offenen Denkmals am 09.09.2018 widmet sich dem Abteiberg, der Keimzelle der Stadt Mönchengladbach, ihrem kulturellen, politischen und spirituellen Zentrum.

DSC04386 bearbeitetQuelle: Stadt Mönchengladbach, FB 62 / Beschriftung: spitzenrheydterin

Die Veranstaltung startet um 12 Uhr im Museum Abteiberg. Im komplett gefüllten Vortragssaal begrüßt Dr. Gregor Bonin, Stadtdirektor und Technischer Beigeordneter, die Anwesenden. Bezugnehmend auf das Motto des Tages “Von gestern bis morgen” spricht er über den Transformationsprozess, dem der Abteiberg schon immer unterlag und auch aktuell unterliegt. Ein wichtiges Anliegen der Stadt ist die Sichtbarmachung ihrer Denkmäler, zu der auch das kontrovers diskutierte Fällen von Bäumen gehören kann. Im Falle des Museums Abteiberg sollte hier der Blick vom Fenster des Museumscafés auf das Münster möglich sein. Das Museum selbst ist in seiner zurückgesetzten Lage nicht präsent genug. Es steht vor der Herausforderung einer besseren Anbindung an die Hindenburgstraße. “Nichts ist beständiger als der Wandel im Einzelhandel” betont Dr. Bonin und spricht damit wirtschaftliche Entwicklungen in der Oberstadt an. Der Rahmenplan Abteiberg wird in den nächsten Jahren maßgebliche bauliche und infrastrukturelle Änderungen am Abteiberg mit sich bringen. Die Bürger der Stadt dürfen hoffen, dass der alte Stadtkern damit entscheidend aufgewertet wird.

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Dr. Karl-Heinz Schumacher, Leiter der Unteren Denkmalbehörde, überrascht die Zuhörer zunächst mit dem Bild eines offenen Meeres. “Vor etwa 350 Millionen Jahren lag Mönchengladbach in Äquatornähe”, verdeutlicht er. Von einer altsteinzeitlichen Besiedlung künden 15.000 Jahre alte Funde. In seinem Vortrag zeigt er uns viele Bilder über die Entwicklung der Stadt von der ersten Besiedlung des Abteibergs um 800 n. Chr. (Graf Balderich stiftet eine Kirche) über das entscheidende Jahr 974 (Gründung einer Benediktiner-Abtei durch den Kölner Erzbischof Gero und den Abt Sandrad), die großen Veränderungen durch die Industrialisierung bis hin zu aktuellen Luftbildaufnahmen. Er stellt die Frage, wo eigentlich die Grenzen des Abteibergs verlaufen und verdeutlicht sie anhand von Kartenmaterial. Vieles von dem, was er erzählt, dürfte den Einwohnern der Stadt nicht bewusst sein. Eine große emotionale Wirkung üben die Bilder der fast vollständigen Zerstörung des Münsters und des Rathauses im Zweiten Weltkrieg aus. Den Zuhörern wird bewusst, welchen großen Einfluss Abriss und Neubau sowie Umnutzung und Wiederaufbau gespielt haben und auch weiterhin spielen werden.

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Susanne Titz, Museumsdirektorin, erzählt aus der Geschichte des Museum Abteiberg. Der 1982 eröffnete Bau des österreichischen Architekten Hans Hollein fand in den ersten Jahren sehr viel Beachtung in der internationalen Presse. Das architektonische Unikat und Meisterwerk hatte großen Einfluss auf moderne Museumsbauten wie z. B. in Bilbao. Nicht nur durch seine in den Berg eingepassten Form wurde es zur touristischen Attraktion, es machte auch mit Ausstellungskonzepten, die ihrer Zeit voraus waren, auf sich aufmerksam. Beuys und Richter erweiterten bereits im alten Museumsgebäude das Bewusstsein bei der Interaktion mit Kunst. Im neuen Gebäude ist es gelungen, sich von einer starren Raumabfolge zu lösen. Der Besucher erschließt sich den Museumsraum selbst und stößt so auch zufällig und außerhalb jeder Chronologie auf überraschende Exponate. Der Raum für Wechselausstellungen wurde im Museum Abteiberg klein gehalten, sodass diese in den großen Eingangsraum drängen. Die Sheddächer lehnen sich an die Industriearchitektur Mönchengladbachs an. Hollein hat zudem die Metaphern “Flugzeugträger” und “Reisterrassen” erkennbar gemacht und den Kontext des “Kultur- und Bildungsbergs” mitgedacht. Ich finde es bedauerlich, dass dieses einzigartige Museum, das für mich zu den schönsten Orten der Stadt zählt, heutzutage keine stärkere Wahrnehmung erfährt. Die Wahl zum “Museum des Jahres” 2016 und die Eintragung in die Denkmalliste 2017 sind erste Schritte auf einem Weg zu mehr Aufmerksamkeit für dieses Juwel.

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Nach einer kurzen Verschnaufpause vor dem großen Fenster des Museumscafés starten wir auf eine Führung mit Dr. Schumacher. Sie führt uns als erstes in den Abteigarten. Dieser war zunächst ein Obstgarten und lag außerhalb der Stadtmauer, die nach Angliederung des Parks durch eine neue Mauer östlich des Abteigartens ersetzt wurde. Der Abteigarten setzt mit seinen Skulpturen die Ausstellungen des Museums fort und ist so schön und doch kaum im Bewusstsein, dass der Titel “Ein ahnungsloser Traum vom Park”, wie eine Veranstaltungsreihe des Museums heißt, gerechtfertigt erscheint.

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Durch den angrenzenden “kleinen Abteigarten” laufen wir zum Geropark. Hier befinden sich Reste der Stadtmauer und eines ihrer Türme, die Anfang des 19. Jahrhunderts bei der Abtragung der Mauer entlang des Geroweihers als Außenmauer für Gebäude stehengeblieben waren. Der Park selbst wurde aus Weltkriegsschutt gestaltet und der heutige Geroweiher wurde einst von mehreren Textilbetrieben genutzt. Der Gladbach ist unterirdisch kanalisiert worden. Man kann sich kaum noch vorstellen, wie es hier einmal ausgesehen hat, und so werden geplante Visualisierungen und bauliche Maßnahmen dabei helfen, die Entwicklung dieses Geländes zu verdeutlichen.

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Eine lange Treppe macht uns die Höhenunterschiede am Abteiberg bewusst.

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Es geht nun zum Rathaus Abtei. Das Gebäude, das heute vom Oberbürgermeister und der Stadtverwaltung genutzt wird, wurde nach der Auflösung des Klosters aufgrund der Säkularisierung im Jahr 1802 zunächst längere Zeit als Textilfabrik genutzt, bevor es 1835 von der Stadt gekauft wurde.

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Die Figuren über dem Portal zeigen den Ordensgründer Benedikt auf der linken und St. Vitus (Patron der “Vitusstadt”) auf der rechten Seite. Der Märtyrer soll Löwen vorgeworfen und in siedendem Öl gebrannt worden sein, doch das brachte ihn nicht von seinem christlichen Glauben ab. Nach ihm ist heute das Gasthaus St. Vith benannt, das ehemalige Gasthaus des Klosters, welches genau dorthin gebaut wurde, damit der Abt nicht vom Kloster auf den Pranger schauen musste.

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Erneut Treppen, dann sind wir bei der Citykirche.

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Bei Grabungen wurden an mehreren Stellen interessante archäologische Funde gemacht, die mehrere Vorgängerbauten erahnen lassen und heute durch Einlassungen in den Boden verdeutlicht werden. Wann der erste Kirchenbau an dieser Stelle entstand und wie er aussah, kann man heutzutage allerdings nicht mehr vollständig rekonstruieren. Man vermutet, dass um 800 n. Chr. hier die Balderichkirche als kleine Fachwerkkirche entstand. 1533 wurde der jetzige Bau fertiggestellt. Das Gebäude der Citykirche wird heutzutage für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Aktuell ermöglicht es eine Gegenüberstellung von Porträts mit Resten der Kircheneinrichtung. Das ist ein durchaus zeitgemäßer Umgang mit einem solchen Bau und es ist zu hoffen, dass die Arbeit dort auch weiterhin durch Ehrenamtliche gestemmt werden kann.

Die Propstei neben dem Museum Abteiberg war ursprünglich Hospital des Klosters und beherbergt seit 1803 das Pfarrhaus, in dem auch Edmund Erlemann wohnte. Vom Münsterschatz blieb nach der Säkularisierung wenig erhalten, doch Dr. Schumacher gibt uns den Tipp, dass sich der Besuch der Münsterschatzkammer durchaus lohne. Kommt auf die Liste!

Als nächstes sehen wir mein persönliches Highlight des Rundgangs, den Brunnenhof, der früher zweigeteilte Innenhof des ehemaligen Klosters. Der momentan abgesperrte und vernachlässigte Hof soll umgestaltet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und somit zu einem ruhigen Ort mitten in der Stadt werden. Hier war ich das erste, aber sicher nicht das letzte Mal!

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Wir nehmen den Ausgang zum Münstervorplatz. Das Münster ist unser letzter Programmpunkt. Nach einem ersten Rundgang mit Dr. Schumacher übernimmt Dr. Wolfgang Johann, vor seiner Pensionierung Vorstand der Gladbacher Bank AG, die Führung.

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Wir beginnen in der Chorhalle, die auf der älteren Krypta errichtet wurde. Dr. Johann erklärt uns die Symbolik der baulichen Elemente und bespricht insbesondere das mittlere Fenster, das Bibelfenster heißt, weil es Szenen aus dem Alten und Neuen Testament in chronologischer Abfolge darstellt und Ende des 13. Jahrhunderts mit dem Bau des Chors entstanden ist. Während des Zweiten Weltkrieges gingen 48 der 49 Fenster kaputt, nur das Bibelfenster wurde gerettet, weil es rechtzeitig ausgebaut und in einem Bunker deponiert wurde.

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Im Münster finden sich viele künstlerische Arbeiten, die in Zusammenarbeit mit der Kunstakademie Düsseldorf entstanden sind. Der Wiederaufbauverein hatte die Idee zur Kooperation. Der schlichte, geometrische Altar stammt von Ewald Mataré.

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In der Alten Sakristei begegnen wir der Hochgotik mit ihren filigranen Elementen. Wir stehen auf einem Boden aus Flusssteinen mit unterschiedlichen Mustern.

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Die zwei großen Fenster waren bis auf die Rosetten kaputt. Hans Lünenborg hat Reste der ursprünglichen Verglasung integriert.

Im Raum werden auch Teile des Münsterschatzes aufbewahrt.

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Ein weiteres bedeutendes Kunstwerk im Münster ist die “Ecclesia” von Franz Gutmann, die aus einem Baum geschnitzt wurde. Der Schrein, den sie trägt, wird in einem Kasten aus Panzerglas geschützt und alle vier Jahre auf Wallfahrt mitgetragen. Es ist ungewöhnlich, dass Ecclesia als neue Kirche eine eher demütige Haltung einnimmt. Dr. Johann lädt uns ein, der Skulptur auf den Mund zu schauen: “Die muss zum Zahnarzt!”

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Maria Lehnen aus Mönchengladbach hat eine zeitgenössische Mutter-Gottes-Skulptur geschaffen, die erst seit wenigen Jahren im Münster steht. Sie verweist darauf, dass man sich als Mutter eingeengt und verängstigt fühlen kann.

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In der romanischen Krypta betrachten wir zunächst den Altar. Eine rumänische Jahresstipendiatin, Celina Sombrowska, hat den Steinblock mit durchsichtigem Glas ummantelt, das den Stein nicht berührt. Sie verweist damit auf die Etymologie des Wortes Krypta, das im Griechischen “Geheimnis” bedeutet.

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Ebenfalls auf Anregung von Edmund Erlemann wurden die sieben Fenster in der Krypta neu gestaltet. Es handelt sich um die letzten Arbeiten von Georg Meistermann. Er verwendete Motive aus der Lauretanischen Litanei und Mariensymbole: “Maria, Du Lilie im Tal. Maria, Du Rose ohne Dorn” sind der meditative Hintergrund der östlichen Fenster.

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Der Zyklus, für den der Lichteinfall entscheidend ist, beginnt dunkel im Norden – hier endet unser Rundgang gegen 17 Uhr.

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Fünf Stunden lang haben wir viel gesehen, gehört, gelernt und gestaunt. Gestaunt habe ich vor allem darüber, was ich am Abteiberg bisher nicht oder nicht bewusst wahrgenommen habe, was durch die Schichten der Geschichte verdeckt wurde, welche Geschichten sich durch die Geschichte gerettet haben. Am Abteiberg ballen sich viele Möglichkeiten für Erfahrungen und Erlebnisse. Je nach Interesse kann man sich hier schwerpunktmäßig mit Geschichte, Architektur oder Kunst beschäftigen. Der Reichtum in diesem kleinen Teil Mönchengladbachs birgt ein unglaubliches Potential, nicht nur für die Identifikation der Einwohner Mönchengladbachs mit ihrer Stadt, sondern auch für den Tourismus. Mit dem ausführlichen Programm und der umfangreichen, informativen Broschüre hat sich die Untere Denkmalbehörde erneut selbst übertroffen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, insbesondere die Untere Denkmalbehörde, für meinen dritten (hier der erste und zweite) und sicher nicht letzten Denkmaltag in Mönchengladbach.

Stadtbad Krefeld: Sleeping Beauty — February 25, 2018

Stadtbad Krefeld: Sleeping Beauty

Mitten in Krefeld schläft eine vergessene Schönheit: Umgeben von fünf verschiedenen Straßen mit geschlossenen Häuserfronten ist das Krefelder Stadtbad vor zwei Jahrzehnten in einen Dornröschenschlaf gefallen.

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Viele Krefelder haben hier schwimmen gelernt, doch viele Leute laufen heutzutage ahnungslos am Eingang in der Neusser Straße vorbei. Obwohl vor den Stahlgittern seit einigen Monaten ansprechende Fotos aus dem Inneren des Gebäudes hängen, wusste auch ich nicht, welche Pracht sich dahinter verbirgt.

Schon lange hatte ich den Wunsch, das Stadtbad von innen zu sehen. Eine Anfrage bei der Stadt Krefeld sah ich als einzige Möglichkeit. Das Gebäudemanagement bekommt unzählige Anfragen, verlassene Liegenschaften zu besichtigen und kann diesen kaum nachkommen. Ich hatte Glück und bekam kurzfristig einen Termin für eine begleitete Führung.

Aufgeregt treffe ich meinen netten Begleiter am Eingang. Mein Stativ habe ich dabei, denn an einem Nachmittag im Winter kann es schwierig mit dem Licht werden. So ist mir auch klar, dass ich in den mir verbleibenden zwei Stunden Tageslicht nur wenige, zeitaufwändige Aufnahmen in Auswahl machen kann.

Den Eingangsbereich konnte man früher noch durch die Stahlgitter sehen:

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Dahinter breite, lange Gänge, die die einzelnen Gebäude des Stadtbades miteinander verbinden und Ausblicke in Innenhöfe erlauben. So weiträumig, dass selbst mein gebäudekundiger Begleiter sich manchmal neu orientieren muss. Abgesehen von einigen kaputten Fenstern und abblätternder Farbe sind die Räume in einem guten Zustand: herrliche Kacheln mit verschiedenen Mustern, alte Lampen, viel Stuck, große Spiegel… Leider hat meine Kamera mitunter Probleme mit dem Autofokus.

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Im Jugendstil und Historismus hatte ein Gebäude nicht nur funktionstüchtig, sondern auch schön zu sein. Krefeld, “Stadt wie Samt und Seide”, war damals eine reiche Stadt. Sie ließ sich den Bau des Stadtbades fast eine Million Reichsmark kosten. Bei seiner Eröffnung im Jahr 1890 galt es als das schönste Stadtbad Deutschlands. Gut vorstellbar, das im Salonbad, das “Kaiserbad” genannt wird, tatsächlich einmal der Kaiser gebadet hat:

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Der eigentliche Zweck des Stadtbades war es jedoch, dass die Krefelder, die zuhause keine entsprechenden sanitären Anlagen hatten, sich waschen konnten. Hierfür standen eine Vielzahl an Wannen in einzelnen Räumen und unterteilten Räumen zur Verfügung:

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Eine frühe Form eines Solariums:

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Die beiden Hallenbäder dienten dem Schwimmunterricht und Wettkämpfen – sogar Bud Spencer ist einmal im Stadtbad Krefeld geschwommen! Wir betreten nun das atemberaubende Herrenbad, das noch bis zum Jahr 2000 in Betrieb war:

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Die Kosten für den Unterhalt des Stadtbades überschritten zuletzt bei weitem die Einnahmen. Die Technik des mit Kohle beheizten Bades konnte nicht mehr mithalten. Die Stadt hatte sich mit dem modernen Badezentrum Bockum selbst Konkurrenz geschaffen.

Ein Erdbeben im Jahr 1992 machte das Becken des Damenbades durchlässig, was das Ende des Schwimmvergnügens dort bedeutete. Mittlerweile haben sich Tauben in dem etwas kleineren Gebäude heimisch gemacht und es riecht nach ihrem Kot.

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Die Einrichtung erinnert mich an meine eigenen Schwimmbaderfahrungen in den 1980ern:

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Die rot-weißen Absperrbänder, die man an mehreren Stellen findet, sind Überbleibsel einer Polizeiübung.

Dann gibt es noch ein Gebäude, in dem die meisten Räume im Dunkeln liegen. Hier traf sich die wohlhabendere Schicht im Dampfbad und in der Sauna.

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Der faszinierendste der eher unheimlichen Räume hat eine blaue, gewölbte Decke mit Oberlicht und diente einer Freimaurerloge. Hier findet sich im ansonsten weitgehend graffiti- und vandalismusfreien Stadtbad auch ein Graffito:

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Wir verlassen das Gebäude trotzdem. “Haben Sie einen Badeanzug dabei?” fragt mich mein Begleiter und ich brauche ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass wir nun noch das Freibad besuchen, das sich im südlichen Teil des Geländes versteckt. Dafür begeben wir uns auf den Innenhof, an den auch Werks- und Lagerhallen grenzen.

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Als wir uns den beiden Becken nähern, startet ein Entenpaar über das Wasser.

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Eine Oase der Ruhe inmitten der Stadt, im letzten Licht des Tages.

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Wir laufen zurück zur Neusser Straße. “Ich bin dann mal weg”, denke auch ich. Die schwere Stahltür fällt hinter uns ins Schloss; mein Begleiter und ich verabschieden uns.

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In den folgenden Tagen, als ich die Bilder sichte, werde ich ein wenig wehmütig: Was wird mit dem Stadtbad geschehen? Es gab und gibt Pläne: Die Ideen, eine Markthalle mit orientalischem Basar oder einen Hamam mit Wellness-Bereichen einzurichten, gefallen mir, weil sie sicherlich von der Einwohnerschaft des Stadtteils gut angenommen werden und auch Gäste aus anderen Städten anlocken würden. Aber wer hat die 30 Millionen Euro, die die Umgestaltung des Stadtbades kosten könnte? Welcher Prinz (Investor) wird das Stadtbad wachküssen? Wird zumindest ein Teil der denkmalgeschützten Gebäude erhalten bleiben?

Schwimmbadbesucher erwarten heutzutage verlässlich warmes Wasser, Fitness-, Wellness-, Gastronomie- und Spaßbereiche, moderne Technik und Architektur. Nur in seltenen Fällen werden alte Stadtbäder weiterhin als Schwimmbäder genutzt. Deshalb glaube ich nicht an eine Wiederaufnahme des Schwimmbetriebs. Was auch immer dort einmal entstehen wird, es muss sich finanziell lohnen.

Für mich hat sich der Ausflug an diesen besonderen Ort gelohnt. Ich danke der Stadt Krefeld, dass sie mir den Besuch ermöglicht hat.

Weitere Infos:

Wikipedia-Artikel über das Stadtbad

Beitrag von Klaus Lipinski

Beitrag von baukunst-nrw

Weitere Fotos

Prachtvolle Zeiten: Mönchengladbach now and then — September 14, 2017

Prachtvolle Zeiten: Mönchengladbach now and then

Der 25. Tag des offenen Denkmals in Mönchengladbach zitiert zu Beginn seiner tollen Broschüre Christian Morgenstern:

Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist

Achtung: Es wird existentiell! 😉 Sprich: Es geht an die (Bau-)Substanz der Mönchengladbacher.

In der vollbesetzten Kirche St. Albertus läuten am Sonntag, den 10.09.2017 um 12 Uhr mittags die Glocken und man erwartet eigentlich einen Pfarrer, bei dessen Eintreffen alle aufstehen, doch dann beginnt Gregor Bonin ganz leger seine Begrüßung und Einführung.

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Er spricht über die Herausforderung der Anpassung von Denkmälern an die heutige Zeit. Nadja Fröhlich gibt uns anschließend eine ausführliche Einführung in die Geschichte der Baumwollspinnerei May & Cie., die wir am Ende der heutigen Führung sehen werden. Karl-Heinz Schumacher spricht dann über die Stadtentwicklung im Zeitalter der Mönchengladbacher Textilfabrikanten.

Wir sehen schließlich eine Präsentation des Fotografen Stefan Sturm, in der er heutige Aufnahmen aus Mönchengladbach älteren Aufnahmen an derselben Stelle gegenüberstellt und diese mithilfe von Bildbearbeitung vermischt. Alte Gebäude sind neuen, nach meinem persönlichen Geschmack nicht unbedingt schöneren, gewichen. Anschließend sehen wir seine Ausstellung (noch bis zum 07.10.) in der Stadtbibliothek Mönchengladbach, die in ihrem Foyer ebenfalls interessante Bestände des 1890 von Franz Brandts gegründeten Volksvereins für das katholische Deutschland präsentiert.

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Sturms Bilder zeigen unterscheidbar und doch gleichzeitig Ansichten der Vergangenheit und Gegenwart und somit zeitlose Unmöglichkeiten.

Das heutige Gebäude der Stadtbibliothek entstand zu Beginn der 1960er Jahre auf dem ehemaligen Grundstück der Familie Brandts. Seit 2013 ist der Bau denkmalgeschützt. Damit scheint gesichert, dass die Stadtbibliothek weiterhin dort betrieben wird.

Now:

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Then:

Blücherstraße 6 10~9553

Um 14 Uhr startet der Rundgang und wir begeben uns auf eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert, als Mönchengladbach als “Manchester des Rheinlands” Fahrt aufnahm.

Zunächst bestaunen wir die Fabrikantenvillas in der Mozartstraße, nicht weit vom Buntem Garten. Für mich ist diese Straße eine Neuentdeckung: seit 12 Jahren lebe ich in Mönchengladbach, doch zum ersten Mal gehe ich nun diese ruhige, doch recht zentral gelegene Straße entlang. Federführend war hier der Architekt Robert Neuhaus (1864-1934). Am südlichen Ende steht die Villa der jüdischen Familie Abraham, die 1933 in die USA auswanderte und ihr Gebäude dem Blindenverein gezwungenermaßen übergab, dem sie es nach dem Ende des Dritten Reichs tatsächlich stiftete.

Now:

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Then:

Mozartstraße 3- 10 16~634 Abb. 29~1

Der Rundgang führt uns weiter zur Kaiser-Friedrich-Halle, deren Rückseite deutliche Indizien liefert, “wie man Denkmalpflege verbessern könnte” – die Führungsteilnehmerinnen und -teilnehmer stimmen beim Anblick des Betons lachend Miriam ten Busch, die sich mit Schumacher die Führung teilt, zu.

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Wer sich schon einmal gewundert hat, warum die Häuser an der östlichen Seite der Bismarckstraße neu und die an der westlichen Seite alt sind: die Straße wurde nach dem Krieg verbreitert. Das Gebäude der IHK (Bismarckstraße 109) hatte ursprünglich ein weiteres Geschoss. Die Häuser an der Bismarckstraße 97 und 99 beherbergten ehemals Museum, Archiv, Bibliothek bzw. Volkshochschule der Stadt, bevor diese Einrichtungen neue Gebäude fanden.

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Auf dem Weg zum Hauptbahnhof begegnen wir Gebäuden, die noch denkmalgeschützt werden könnten und wohl auch sollten.

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Die Bausünde des leerstehenden Haus Westland lässt sich nicht ignorieren, aber man kann sich damit trösten, dass das Haus nicht zum Denkmal erklärt wurde und hoffentlich bald abgerissen wird.

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Die Eisenbahn, die ab 1851 in die Stadt kam und zunächst ebenerdig verlief, wurde ab 1900 auf Dämme und Brücken verlegt.

Hauptbahnhof MG 10~6909

Das hatte die Verlegung des Bahnhofs und 1908 die Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs, der im Zweiten Weltkrieg, wie so viele alte Gebäude, stark beschädigt wurde, zur Folge.

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Hauptbahnhof MG 10~10774 beschnitten

Auf dem Gelände des jetzigen Fernbusbahnhofs liefen einst Kinder mit Hüten Rollschuh.

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Rollschuhbahn beschnitten

An der Lürriper Straße liegen die verbliebenen Gebäude der ehemaligen Actien-Gesellschaft für Spinnerei und Weberei. Quirin Croon (1788-1854) ließ sich in Salford near but not in Manchester (a very important difference) inspirieren und errichtete repräsentative Bauten, deren Baustruktur höchstens noch im südlichen Teil der heutigen Berufsschule, an den Türmen der ehemaligen Weberei, zu erkennen ist. So kann man historische Gebäude auch kaputtsanieren.

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Actien-Gesellschaft für Spinnerei und Weberei 1876_klein

Als die Textilfabriken im 19. Jahrhundert wie Pilze aus dem Boden schossen und zu einem immensen Bevölkerungswachstum beitrugen, suchte man für infrastrukturelle Vorteile die Nähe sowohl zum Gladbach als auch zu den Bahnstrecken.

Die Führung endet in der Sophienstraße mit Blick auf die verbliebenen Gebäude der ehemaligen Baumwohlspinnerei M. May & Cie. Neben dem Namensgeber Martin May trat hier Peter Krall mit seiner Sozialpolitik hervor: 11,5 Stunden tägliche Arbeitszeit (inkl. 30 Minuten im betrieblichen Badehaus) montags bis freitags und 8,5 Stunden samstags sowie (u. a.) Bibliothek, Lesezimmer, Turngeräte und Krankenkasse für die Beschäftigten galten damals als vorbildlich. Auch die Konstruktion des feuerfesten Gebäudes war fortschrittlich.

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Sophienstraße 35_MaySophienstraße1875 00003 beschnitten

“Prachtvolle Zeiten” lautete der Titel der Veranstaltung und prachtvolle Zeiten bot die Veranstaltung selbst. Beim Eintauchen in die Vergangenheit Mönchengladbachs wurde den Teilnehmern anhand ihrer Baudenkmäler bewusst, was die Stadt einmal war, was sie momentan ist und welche Entwicklungsmöglichkeiten ihr weiterhin offen stehen. Sie konnten erkennen, wo die Umnutzung des historischen Erbes bereits gelungen ist, wo sie an ihre Grenzen stößt und wo sie weiterhin eine Herausforderung darstellt.

Herzlichen Dank an das Stadtarchiv der Stadt Mönchengladbach für die Überlassung der alten Stadtansichten und an die Untere Denkmalbehörde für einen weiteren informativen, inspirierenden und identitätsstiftenden Denkmaltag!

Ein Rheydt ins Grüne — July 27, 2017

Ein Rheydt ins Grüne

Dieser Blog befand sich die letzten Monate über im extended Winterschlaf. Bevor der Sommer wieder vorbei ist, nehme ich mir vor, wieder öfter mit einer Kamera vor die Tür zu gehen und meine Erlebnisse und Eindrücke mit euch zu teilen.

Mein Ausflug heute begann mit dem Überschreiten der Gleise, die den Beginn der Bonnenbroicher Straße in Rheydt markieren.

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Dahinter liegt das Gelände der ehemaligen Diskothek Prada, in der Einiges passiert ist und die seit einigen Monaten geschlossen, aber nicht wirklich zu ist – wie man an den Vandalismusspuren erkennen kann.

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Ich laufe an der Mauer entlang und nasche von den Brombeeren.

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Am Ende der Bonnenbroicher Straße weiter die Köhlersfahrt entlang.

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Nun komme ich in die zauberhafte Bungtbachaue, wo ich ein Weilchen auf einer Bank sitze und lese.

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Über eine Straße und schon ist man im Volksgarten, der an manchen Stellen ebenfalls sehr märchenhaft wirkt.

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Von der Haltestelle Volksbad fahre ich mit Umsteigen beim Vitusbad wieder nach Hause und mir wird bewusst, dass mein jährliches Schwimmengehen noch aussteht…

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Take a Rheydt to Borussia-Land — September 27, 2016

Take a Rheydt to Borussia-Land

Würde ich lieber in Kot hausen oder dort hausen, oder eher: Würde ich lieber in Kothausen hausen oder in Dorthausen hausen? Auf diese Frage will ich heute eine Antwort finden. Bei schönstem Wetter starte ich meine Recherche an der Dorfbroicher Straße.

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Die 004 kommt nicht. Kam sie zu früh und ich habe sie verpasst oder kommt sie gleich noch? Kriege ich den Anschluss an der Hilderather Straße noch? Einige Minuten später kommt die 006 und weil mir nichts Anderes einfällt, steige ich ein. Der Bus ist brechend voll. An der nächsten Haltestelle, Rathaus Rheydt, steige ich aus. Ich sehe, dass dort ein Schnellbus zur Hilderather Straße fährt. Dort sehe ich “meine” 017 noch wegfahren, aber glücklicherweise kommt schon kurz darauf die nächste.

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Bald schon bin ich an der Zielhaltestelle Kothausen.

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Gegenüber liegen das Ortsschild…

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… und eine kleine Feuerwehrstation.

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In Kothausen gibt es was zu lesen. Aushänge des Dorfclubs…

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… und Ablasshandel bei einem Kreuz.

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Unkommentiert nun noch ein paar weitere Eindrücke aus diesem “heiligen Ort”:

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Eine Frau bringt einer Nachbarin, die sich herzlich bedankt, Tierfutter, das sie für sie angenommen hat, vorbei. Zwei weitere Frauen führen ihre Hunde aus.

Am anderen Ende des Ortes ein großes Maisfeld.

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Ich biege in den Weg rechts davon ein und laufe in Richtung des nächstes Ortes. Ein toller Blick über die Felder.

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Findet sicher auch diese Kuh.

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Ich lande in Wolfsittard-Hoven. Weil die Hauptstraße dort “Dorthausen” heißt, wähne ich mich in Dorthausen, doch vermutlich ist Dorthausen auch auf der anderen Seite der Bundesstraße, die ich nicht überquere. Hier einige Eindrücke von dort(hausen):

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Ich bin in Borussia-Land gelandet.

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Was aber auch an der Nähe zum Borussia-Park liegen könnte. Durch eine Lärmschutzwand verlasse ich den Ortsteil.

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Entlang der Gladbacher Straße finde ich noch mehr Borussia-Land:

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Ich steige an der Haltestelle Dahlener Heide in die 017 ein, fahre am Nordpark vorbei und steige am Bismarckplatz um, zurück nach Hause.

Apropos… Zurück zur Ausgangsfrage: Mein Zuhause ist doch das Schönste, doch in Kothausen zu hausen wäre nicht scheiße und in Dorthausen, dort hausen auch keine Banausen.

Take a Rheydt to the South — September 25, 2016

Take a Rheydt to the South

An diesem angeblich letzten Sommer-Sonn(en)tag fahre ich, viel zu warm bekleidet, vom Rathaus Rheydt aus mit der 097 in den Süden. Ich will mir die Neubausiedlungen Holz, Otzenrath und Spenrath ansehen, die infolge der Vertreibung aus den Braunkohledörfern gleichen Namens erst in den letzten Jahren entstanden sind. Auf meiner Wanderkarte sind diese Orte noch gar nicht verzeichnet. Auf dem Stadtlinienplan kucke ich mir die Haltestelle “Nordring” aus – es ist die erste hinter der Verbundgrenze, aber da heute Sonntag ist, muss ich nicht nachlösen.

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Die Fahrt geht über Mülfort, Odenkirchen, Sasserath und Mongshof. Leider sehe ich bei der Hinfahrt wenig von diesen Orten, da ich in einem Bus sitze, der fast vollständig mit einer Werbefolie verklebt ist, die nur einen solchen Blick zulässt:

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Am Nordring liegt ein Friedhof. Hinter der Friedhofsmauer biege ich in die Straße, die mich zu dem führt, was Holz sein muss. Eine Ansammlung von nagelneuen Einfamilienhäusern, viele überdimensioniert, viele mit geschlossenen Rolläden. Sauber, aufgeräumt, ordentlich.

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Abgesehen von etlichen teuren Autos und ein paar argwöhnisch kuckenden Anwohnern wirkt der Ort genauso ausgestorben wie das alte Holz kurz vor dem Abriss. Keine Kirche, keine Kneipe, kein Supermarkt. Straßen, die in Sackgassen enden. Ein paar grüne Verbindungsstreifen, die wohl dazu da sind, um Hunde auszuführen oder zu joggen.

In der Hauptstraße erinnere ich mich an die alte Hauptstraße in Holz und erkenne keine Parallele.

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Wo ist die Kapelle? Der Name der Haltestelle “Zur Kapelle” am Ortsrand erinnert daran:

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Endlich finde ich auch ein Ortsschild. Das “neu” aus “Holz (neu)” hat man wohl entfernt, als es “Holz (alt)” nicht mehr gab. Es wirkt so, als ob hier etwas fehlt – wie im gesamten Ort.

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An einem Kreisverkehr finde ich den Weg nach Otzenrath und Spenrath ausgeschildert (auch hier keine Rede mehr von alt und neu).

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Eine kleine Brücke führt über die Bahnstrecke. Otzenrath heißt mich herzlich willkommen, begrüßt Autofahrer jedoch mit einer Umleitung. Am Ortsanfang (oder -ende, je nachdem, wie man das sieht) wird gebaut: demnächst werden hier weitere Häuser stehen.

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Otzenrath hat so etwas wie einen Ortskern. Ein leerer Platz…

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… mit einem Totempfahl der Dorfkultur:

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Hin und wieder findet man mysteriöse Reste aus dem alten Ort:

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In der Braun(kohle?)straße hängt ein Wegweiser “zum Arzt” – dem einzigen im Ort?

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Zumindest gibt es hier ein paar Cafés und Restaurants. Die “Pizzeria Ciao” gab es schon im alten Ort.

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Auch für das seelische und geistige Wohl ist gesorgt. Es gibt eine moderne katholische Kirche, zu der seit 2008 die Sternsinger kommen.

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Dahinter ein Friedhof. Die meisten Leute, die dort beerdigt wurden, sind vor dem Umzug des Ortes und ihrer Gräber gestorben.

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Die katholische Bücherei hat dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Die evangelische Bücherei bei der Kirche daneben hat mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

“Ein todschickes, neues Dorf”, denke ich, doch nun führt mich mein Weg nach Spenrath. Fast hätte ich den Ort verpasst, denn die Baumstraße, woraus Spenrath hauptsächlich besteht, geht eher unscheinbar in der Nähe der gleichnamigen Bushaltestelle ab. Schon wieder so eine Sackgassensiedlung. Häuser wie in Holz:

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Eine Katze posiert für die Kamera:

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Eine ältere Dame beobachtet mich. Ich gehe ihr aus dem Weg, doch sie läuft mir hinterher. Vor diesem Überbleibsel des alten Ortes bleibt sie stehen und schaut mir zu, wie ich in eine weitere Sackgasse laufe. Als ich mich ihr nähere, dreht sie mir den Rücken zu.

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Ich habe genug von den toten Siedlungen, in denen allem Anschein nach Leute wohnen, aber niemand so richtig lebt.

Wieder über die Bahnstrecke geht es zurück nach Holzneukirch, ein natürlich gewachsener Ort mit Bahnhof, den man im Norden um die Neusiedlungen erweitert hat. Hier gibt es alte Häuser, alte Kirchen, alte Bäume, Leben auf der Straße und, nicht zuletzt, einen Bus, der sonntags allerdings auch nur 4x fährt – ich hatte vorher nachgesehen, wann meiner kommt. Von der Haltestelle “Hochstraße” aus geht es nach Hause.

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Selber Bus, selber Fahrer. Aber diesmal sitze ich ganz vorne, so sehe ich etwas von der Landschaft. Ich denke darüber nach, was Heimat ist, was der Verlust von Heimat bedeutet und ob man Heimat ersetzen kann.

Rheydt here, Rheydt now: Kirmes — September 14, 2016

Rheydt here, Rheydt now: Kirmes

“Du kannst es einfach nicht lassen”, schreibt mir ein geneigter Leser. Suff und schöne Männer? Gut, das auch, aber er meint das Bloggen. Schon der 3. Beitrag innerhalb weniger Tage – vermutlich werde ich dieses Pensum nicht halten.

Ich gehe gerne auf die Rheydter Kirmes – vor allem bevor sie anfängt oder nachdem sie schon vorbei ist. Also wenn sie menschenleer ist. Heute laufe ich im schönsten Abendlicht entlang der Gracht und mache ein paar Fotos, die ich euch nicht vorenhalten will.

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Versteckte Schönheiten Rheydts — September 12, 2016

Versteckte Schönheiten Rheydts

9/11 2016 ist der Tag des offenen Denkmals in Rheydt. Wir nehmen an der Führung teil, die um 15 Uhr in der Mühlenstraße 33, dem Schülerinnenwohnheim des Maria-Lenssen-Berufskollegs, startet. Oft schon bin ich daran vorbei gegangen, doch noch nie bin ich auf dem Gelände gewesen. Das Gebäude wurde 1933-34 gebaut und wirkt immer noch modern.

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Nach der Begrüßung und einem einführenden Vortrag im Treppenhaus wird die gar nicht kleine Gruppe wieder aus dem Gebäude gebeten und teilt sich in zwei Gruppen. Wir folgen Dr. Karl-Heinz Schumacher von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Mönchengladbach und betreten einen traumhaften Park mit Blick auf das Gebäude, das stellenweise an ein Schiff erinnert.

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Highlight der Anlage ist der wunderschöne Garten-Pavillion, in dem gerade eine Fotoausstellung zu sehen ist.

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Wie konnte ich diesen Park nur all die Jahre verpassen? So zentral, doch so versteckt und ruhig. Ich nehme mir vor, bald einmal etwas länger Zeit dort zu verbringen.

Die Führung geht weiter in das angrenzende Maria-Lenssen-Berufskolleg, das ich bisher auch nur von außen kannte. Apropos von außen: das Eingangsportal ist wirklich einladend!

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Man achte besonders auf das schöne Detail über der Tür.

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Auch von innen überzeugt das renovierte Gebäude durch Flure mit unterschiedlicher, quasi archäologisch rekonstruierter Farbgebung,

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helle Treppenhäuser

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und den tollen Blick aus den Fenstern der Aula.

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Unser nächster Stopp ist vor dem Pahlkebad. Ein kleines Mädchen, das die Tour mit viel Gebrabbel begleitet, fühlt sich verleitet, vor der Gruppe ihren Rock zu lüpfen. Auf der Treppe stehen zwei Männer mit Bierflaschen. Das 1969 in Betrieb genommene Gebäude wirkt nach der Sanierung umso beeindruckender mit seinen beiden freitagenden Zweigelenk-Spannbetonbindern – die architektonische Bezeichnung entnehme ich der Broschüre ;-).

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Durch den Hugo-Junkers-Park geht es zum Marktplatz. Rathaus und Evangelische Hauptkirche, die im einführenden Vortrag ausführlicher erwähnt wurden, sehen wir nur von außen. Auf dem Marktplatz ist aufgrund des Blumensonntags viel los und ich bin froh, dass wir vor der grässlichen “Musik” die erst kürzlich zum Denkmal ernannte Hauptstraße entlang flüchten zum Harmonieplatz. Die Kammbebauung nach dem Wiederaufbauplan von Alfons Leitl hatte man uns erklärt, nun endet die Tour vor dem Musterhaus Leitls am Harmonieplatz.

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“Versteckte Schönheiten” versprachen Vortrag und Führung und das hielten sie ein. Vielleicht muss man die Schönheiten dieser Stadt stärker suchen als die Schönheiten anderer Städte, doch es gibt sie und man muss nur die Augen öffnen und die gewohnten Wege verlassen.

In einer ansprechenden Broschüre gibt es weitere Infos über die versteckten Schönheiten Rheydts. Herzlichen Dank an die Untere Denkmalbehörde für die tolle Veranstaltung.